Die Krankheit: Eine Erzählung by Klabund

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Klabund, 1890-1928 Klabund, 1890-1928
German
Okay, I need to tell you about this little book that absolutely gutted me. 'Die Krankheit' (The Illness) is only about 50 pages, but it packs a lifetime of feeling into them. It's about a man, a writer, who's told he's dying. That's the whole premise. But it's not really about the disease itself—it's about what happens in his head when the clock starts ticking. He swings wildly between terror, strange peace, and manic bursts of living. It's raw, it's uncomfortable, and it asks the biggest question we all face, but usually try to ignore: how do you spend your last days? It's a short, sharp shock of a read that will stick with you.
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geheime Beziehungen zu dem Dienstmädchen des portugiesischen Konsuls. Das war eine dicke Schwyzerin aus Bern, die wie geknetet aussah. An Stelle einer Kuhglocke trug sie eine Doublémedaille um den fettigen Hals, die das Bild des kleinen Japaners -- in seiner seidenen und faltenreichen Nationaltracht -- in sich verbarg. »Ich habe früher nur dunkle Frauen geliebt,« sagte der junge Deutsche und sah durch die Balkontür in den stürmenden Schnee, »Frauen mit schwarzen Haaren und schwarzen Augen. Als ich selber noch im Dunkeln tappte mit meinen neunzehn, zwanzig Jahren. Dann wurde es licht in mir. Ich liebte eine Frau mit braunen Haaren und Hirschaugen. Dann eine mit roten Haaren und beinah blauen Augen, die violett glänzten. Meine Freunde verspotteten mich mit ihr und meinten, sie hätte neben ihren roten Haaren auch rote Augen, und ich liebte ein Kaninchen. -- Endlich wurde es ganz hell um mich. Die Sonne ging auf. Rasend blond aus einem Himmel blauer Blicke. Ich sah in den Mittag meines Lebens. Blauer Himmel, holde Sonne, warum wollen Sie mir nicht glauben, Sybil, daß Sie mein Tag sind?« »Oh!« Sybil wehrte leise ab. Sie schlug die Asche ihrer Zigarette auf den Bettvorleger. Der kleine Japaner stellte die blaue Flasche auf den Nachttisch und tanzte in eine dunkle Ecke des Zimmers. Man hörte ihn lachen: wie einen fremdartigen Wasservogel. Er unterhielt sich in seiner zischenden Sprache mit dem ausgestopften Papagei. Der bleiche bulgarische Offizier, der gekrümmt auf einem Hocker saß und in den Boden starrte, räusperte sich. Er hatte beide Balkankriege mitgemacht; die Schlacht bei Lüleburgas; die Belagerung von Adrianopel; den Stellungskampf an der Tschataldschalinie. Niemand durfte in seiner Anwesenheit vom Krieg sprechen. Ihm trat sofort der Schaum auf die Lippen. Als Professor Ronken, der Weißbart mit dem Rotkehlchenkopf, ihn das erstemal untersuchte und mit seinem eleganten weichen Hammer beklopfte, fiel er in Ohnmacht in dem Augenblick, als Dr. Froidevaux von einer chirurgischen Operation kommend, den weißen Mantel ein wenig mit Blut bespritzt, das Zimmer betrat. »Sybil,« sagte der Bulgare, »es wäre schlimm, wenn Sie stürben. Sylvester Glonner hat recht. Sie sind unsere blonde Sonne. Bei Ihnen im verqualmten Zimmer zu sitzen wärmt mehr, als auf der Liegehalle in der Mittagssonne schläfrig zu liegen. Die Davoser Sonne macht schläfrig. Sie machen wach.« Er fiel auf seinen Hocker zurück. Der junge Deutsche lehnte sich schwerfällig an den weiß polierten Schrank. Er erinnerte sich eines Verses von Hölderlin: Wo bist du? Trunken dämmert die Seele mir von aller deiner Wonne. »Wo bist du?« sagte er laut. Der Japaner lachte. Sylvester war, als hätte ein Blick von Sybil ihn flüchtig gestreift. Wie ein warmer Wind. Der Bulgare sah auf die Uhr: »Ich muß zur Liegekur. Es geht auf sechs.« Er klapperte an seinem Krückstock ohne Gruß zur Tür hinaus. Der kleine Japaner schwebte freundlich hinter ihm her. »Sie bleiben allein«, sagte Sylvester. »Wie immer ...« Sie blies den Zigarettenrauch in wahllosen Ornamenten zur Decke. Er gab ihr die Hand und ging. II. Davos lag in der Abenddämmerung wie eine amerikanische Stadt am Rande der Rocky mountains ... am Rande der Welt ... Wie improvisiert, zum Abbruch jederzeit bereit, waren die großen Sanatorien und Hotels mit ihren funkelnden Liegehallen da und dort und kreuz und quer im Tal und an den Berglehnen errichtet. Obgleich sie selten über vier Stockwerke zählten, schienen sie mit den himmelauf kletternden Lichtern der Liegehallen Wolkenkratzer. Ernste Deutsche, flüchtige Italiener, behäbige Holländer, zwitschernde Brasilianer, duftende Französinnen, dunkle Russen wandelten im gleichmäßig getragenen Kurschritt des Kranken über die Promenade. Von der Post am Kurhaus und den glitzernden Läden vorbei bis zum Grand-Hotel Belvedere und wieder zurück. Hin und wieder raste ein Engländer...

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Die Krankheit (The Illness) is a short story by Klabund, the pen name of Alfred Henschke, a German writer who knew a thing or two about facing mortality—he died from tuberculosis at just 38.

The Story

A successful but somewhat jaded writer receives a diagnosis from his doctor: he has a fatal illness and only a short time left. The story follows his psychological journey from that moment. He doesn't just accept it. He rages, he bargains, he tries to lose himself in hedonism, and he retreats into solitude. We're right there in his mind as he cycles through every possible reaction to his own impending end, watching his relationship with the world and his own work completely unravel.

Why You Should Read It

This isn't a medical drama. Klabund strips everything back to the pure, messy human response. The writing is intense and immediate—you feel the character's panic, his dark humor, his sudden appreciation for a simple ray of sunlight. It makes you wonder what you'd do, think, or feel in that same chair. It's less about dying and more about what it means to truly be alive when you're forced to look at the finish line.

Final Verdict

Perfect for anyone who loves character studies that go to the emotional deep end. If you've ever enjoyed the interiority of a Dostoevsky character or the existential weight of Camus, but want it in a single, potent sitting, this is your book. It's not a cheerful read, but it's a powerful and strangely clarifying one. Just be prepared to sit quietly for a while after you finish the last page.



🔖 No Rights Reserved

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Lucas Anderson
3 months ago

I had low expectations initially, however the writing remains engaging even during complex sections. Time very well spent.

Susan Green
3 days ago

Having read this twice, the explanations feel carefully crafted rather than rushed. This turned out to be a great decision.

David Wright
5 months ago

After spending time with this material, the content strikes a great balance between detail and readability. I will be reading more from this author.

Karen Anderson
3 months ago

I approached this with curiosity because the material feels polished and professionally edited. Simply brilliant.

Daniel Allen
3 months ago

If you enjoy this genre, the interplay between the protagonists drives the story forward beautifully. Don't hesitate to download this.

4.5
4.5 out of 5 (5 User reviews )

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